Bötchen

Bötchen

Samstag, 3. Dezember 2016

Thüringer Allgemeine ...

Stück für Stück verwandelte der Maler Ralf Teichmüller einen baufälligen Schuppen in ein gemütliches Atelier

Ralf Teichmüller in seinem Atelier in der Nordhäuser Theodor-Neubauer-Straße 1 . Den Schuppen hat er komplett selbst umgebaut. Fotos: Marco Kneise

Nordhausen. Das Hoftor steht offen. Auf der hübsch, mit altem Gestein gepflasterten Einfahrt eine Staffelei. Grafiken befinden sich darauf – zum Verkauf. Ein Schild am Haus kündet davon, dass es in Salza nun eine Kunstkate gibt.
Es ist das Atelier von Ralf Teichmüller. Der beleibte Mann mit langer Mähne sitzt auf seinem Sessel. Viel braucht er nicht zum Leben – das kleine Häuschen war bis vor kurzem ein Schuppen hinter dem Haus. Er hat frisch gemauert, mit alten Ziegelsteinen. Er hat ausgefugt, Fenster abgeschleift, Fußboden verlegt, die alte Presse hineingeschafft, den Ofen, den er jeden Morgen anheizt.
Papier und Farbe, das reicht, um zufrieden zu sein. Dass der Schulhof ans Atelier grenzt, stört den gebürtigen Nordhäuser nicht. "Ich arbeite sowieso am meisten Sonntag", lächelt er. Kinderlärm ist nichts Schlimmes. Damals, als er in dem Alter war, hat er schon gern gemalt.
Teichmüller erarbeitete sich in den vergangenen Jahren einen guten Namen. "Lange war das Malen in der Dummheit der Jugend verloren", erzählt er ruhig. Er stand an der Drehmaschine, war Fernfahrer, lernte andere Länder und Sitten kennen. Erfahrungen, die seinen Horizont erweiterten.
Erst in den 1990er-Jahren kehrte die Lust am Malen zurück. Teichmüller begann, in Öl zu malen, holte sich von Kollegen Anregungen, studierte die Techniken. Auch ein Workshop bei Kerwitz brachte ihn weiter.
Wie der bekannte Nordhäuser Künstler, liebt auch Teichmüller es inzwischen, Grafiken schlicht und einfach zu erschaffen. Von mystischen Orten, die er so mag und in Schottland findet. Vor allem aber von Orten im Südharz. "Ich will nicht, dass die Leute raten müssen, was sie sehen", gibt er dem Abstrakten eine Abfuhr. "Das hält mich ja nicht ab, in meinen Bildern zu abstrahieren."
Der Mann ist bodenständig geblieben, sieht sich überhaupt weniger als Künstler, sondern eher als Handwerker. Und tatsächlich ist vieles in seinem Beruf Handwerk – das Ritzen in kleine Metallplatten, das Auftragen der Farbe, das Pressen auf Papier, das Erstellen von Passepartouts. Ohne das Motiv geht es aber eben nicht. Und die ist auch bei Teichmüller Kunst.
In diesen Wochen hat der 57-Jährige gut zu tun. Jedes Wochenende steht er auf einem kleinen Kunsthandwerkermarkt in der Nähe des Wernigeröder Rathauses. Das Harz-Städtchen hat er – neben Quedlinburg und Stolberg – für sich und sein Geschäft entdeckt. Viel mehr Touristen, viel mehr Käufer. Auch Künstler müssen von etwas leben – trotz bescheidener Ansprüche.
Gerade liegt ein Auftragswerk auf seinem Tisch. Auch das gehört dazu. Nächstes Jahr will Teichmüller das Wohnhaus an der Theodor-Neubauer-Straße mit Harzer Holz verschalen, er muss noch ein bisschen verdienen. Danach kommt die Kür, kommen Werke, die er für seine Seele malt: ein Stapel Bücher von Kant, Lessing und Herder, eingeschlossen von einer Kette. Es heißt "Die Gedanken sind frei".
Das Tor zur Kate in Salza steht immer offen, wenn er im Atelier eingeheizt hat. Wer mag, kann die große Glocke betätigen und einfach eintreten.
Thomas Müller 03.12.16
Z0R0120989877

Keine Kommentare:

Kommentar posten